Kritiker überzeugen – Strategien für Vorträge mit Konfliktpotenzial

Präsentationen sind für Gelegenheitsredner ohnehin nicht unbedingt ein Spaziergang. Das Gefühl kann sich noch verstärken, wenn das Thema reichlich Konfliktpotenzial bietet und der ein oder anderen Kritik ausgesetzt ist. Der Vortragende sieht sich dann oft in der Schusslinie. Gerade konfliktreiche Themen bilden aber die Basis für spannende Diskussionen, die in Erinnerung bleiben und die Präsentation zu einem Event machen. Hier liest Du, wie Du mit Deinem Vortrag Kritiker überzeugen kannst und warum gerade Themen mit Konfliktpotenzial eine gute Wahl sein können.




Unangenehmes Vortragsthema? Es kommt auf Deine Einstellung an


Natürlich fühlt es sich während der Präsentation gut an, wenn Du in den Gesichtern Deiner Zuhörer sehen kannst, dass sie Deinen Worten innerlich zustimmen. Blickst Du stattdessen in ein kopfschüttelndes oder missmutiges Publikum, kann das schnell ein mulmiges Gefühl verursachen.


Aber warum ist das eigentlich so? Der Redner trennt in der Situation nicht zwischen seiner Person und dem Gesagten. Hältst Du zum Beispiel auf einem Firmenevent einen Vortrag, vertrittst Du im Regelfall die Meinungen Deines Unternehmens. Das bedeutet noch lange nicht, dass sie mit Deinen privaten Ansichten übereinstimmen. Du handelst aber gerade im Rahmen Deines Jobs, was Dein Publikum auch so deutet.


Selbst dann, wenn Du Dir Dein Thema frei ausgesucht und Deine Präsentation allein gestaltet hast, füllst Du eine Rolle aus bzw. verfolgst ein Ziel. Gelingt es Dir, Dich nicht zu sehr mit Deinem Thema zu identifizieren, kannst Du auch kritische Standpunkte sachlich darlegen und sie mit Argumenten untermauern. Das gestaltet für Dich nicht nur die Präsentation angenehmer, sondern gibt Dir auch den mentalen Raum für eine Diskussionsrunde mit dem Publikum, in der Du die Rolle des neutralen Moderators übernimmst.



Argumente mit Bedacht einsetzen


Möchtest Du einen bestimmten Standpunkt vertreten, liegt der Gedanke nahe, ihn mit möglichst vielen guten Argumenten zu untermauern. Reihst Du in Deiner Präsentation aber einen Grund nach dem anderen aneinander, kann das schnell unsicher wirken. Sind Menschen überzeugt von dem, was sie sagen, fühlen sie nicht die Notwendigkeit, sich in Begründungen zu verlieren. Deshalb solltest Du Argumente mit Bedacht und nur in Maßen einsetzen.


Gerade Deine kritischsten Thesen solltest Du mit möglichst wenig Worten darlegen und begründen und andernfalls sie so stehen lassen. Je mehr Du argumentierst, desto mehr Angriffsfläche bietest Du für Kritiker. In ausführlichen Erklärungen finden sie eher Fehler oder Ungereimtheiten.


Gehe deshalb wie folgt vor:

Dein zweitstärkstes Argument setzt Du an den Anfang. Damit holst Du Deine Zuhörer ab und bietest ihnen gute Gründe, auf das von Dir Gesagte zu vertrauen. Dein schwächstes Argument nennst Du kurz in der Mitte Deines Vortrags, da dieser Teil ohnehin am häufigsten wieder vergessen wird. Zum Abschluss führst Du Dein stärkstes Argument an. Es leistet die restliche Überzeugungsarbeit und bleibt Deinem Publikum in Erinnerung.




Mit Kritikern im Vortrag umgehen – Rückfragen stellen


Im Anschluss an den Vortrag folgt oft eine Frage- oder Diskussionsrunde. Hast Du ein Vortragsthema mit Konfliktpotenzial, kann es passieren, dass ein paar Zuhörer hier ihre gegenteilige Meinung äußern. Ist das der Fall, solltest Du zuallererst ruhig bleiben und noch einmal tief durchatmen. Besinne Dich auf Deine Rolle des neutralen Diskussionsleiters. Bitte im nächsten Schritt die Person, ihre Meinung zu begründen. Dies fällt bereits vielen schwer, was ihnen den Wind aus den Segeln nimmt. Zudem erhältst Du so eine Grundlage, auf der Du Gegenargumente einwerfen kannst.


Schließlich musst Du keineswegs auf alle Kommentare eingehen. Stattdessen kannst Du auch durchaus andere Zuhörer um ihre Meinungen und Anmerkungen bitten und so allein in eine moderierende Rolle verfallen.